18.06.2020 17:38
von Sabrina Durante

"Ich bin immer noch inspiriert von diesen neun Tagen." - Eine Auszeit, die nachwirkt

Andreas Grütter nahm sich im Sommer 2019 eine Auszeit – neun Tage, die auch nach einem Jahr immer noch nachwirken. Wir haben ihn nach seinen Erfahrungen befragt.

Warum suchten Sie eine Auszeit?
Nach einer langen und intensiven Familien- und Berufsphase wollte ich mir auf die Sommerferien 2019 hin einmal eine Auszeit nur für mich nehmen. Mir war es wichtig, diese Woche «begleitet» zu machen, also zu einem Thema oder mit einer Aktivität. Das Thema Meditation hat mich schon länger interessiert und ich wollte dies in einem begleiteten Rahmen kennenlernen und praktizieren. Gleichzeitig war es mir wichtig, meine Lebenssituation zu reflektieren und die weiteren Schritte zu planen.

Wie haben Sie die Auszeit-Woche erlebt? Hat Ihnen etwas speziell gutgetan?
Ich habe die Auszeit als sehr inspirierend erlebt. Die Mischung aus Meditation, Austausch in Einzelgesprächen und Austausch in der Gruppe, Zeiten der Stille sowie Zeit für sich und die eigene Reflexion hat mit gut getan. Spannend fand ich dann ganz konkret den Abschluss, als wir unser eigenes «Ich-Projekt» erarbeitet und der Gruppe vorgestellt haben. Die Kursleitung durch Lorenz Ruckstuhl erlebte ich als sehr positiv und seine Art war auch für meine eigene Arbeit inspirierend, da ich selbst auch viele Gespräche moderiere.

Hat Sie etwas überrascht?
Ich war schon vor Kursbeginn sehr gespannt auf die Gruppenzusammensetzung. Überrascht hat mich die Vielfalt der Menschen, ihrer Themen und Geschichten. Die Mahlzeiten im Schweigen einzunehmen, war für mich eine ganz spezielle Erfahrung. Doch ich habe mich überraschend schnell daran gewöhnt und das Schweigen auch zu schätzen gelernt.

Wie hat sich die Auszeit auf Ihr (Berufs-)Leben ausgewirkt?
Jetzt, schon bald ein Jahr später, bin ich noch immer inspiriert von diesen neun Tagen im Lassalle-Haus. Natürlich war der Start in den Alltag nach der Auszeit sehr anspruchsvoll. Ich meditiere seither regelmässig, was mich in meinem persönlichen Prozess unterstützt. Meine berufliche und persönliche Situation hat sich nicht wesentlich verändert, aber ich kann jetzt besser für mich und meine Bedürfnisse einstehen und mir ist bewusster geworden, wo meine Grenzen liegen.

Hat sich etwas nachhaltig verändert?
Ich habe gelernt, mir bei wichtigen Entscheiden länger Zeit zu nehmen, nicht das Gefühl haben, sofort handeln zu müssen und somit auch gelassener zu sein im Alltag.

Wem würden Sie eine Auszeit empfehlen?
Meiner Meinung nach kann eine Auszeit in dieser Form für alle Menschen eine ausserordentlich wertvolle Erfahrung sein. Grundsätzlich müsste es möglich sein, sich jedes Jahr eine Auszeit zu nehmen, eine persönliche Standortbestimmung zu machen und dadurch bewusster Schritte in die Zukunft zu gehen. Dies könnte viele Krankheitsfälle und Arbeitsausfälle verhindern. Als Präventionsbeitrag sollten sich eigentlich die Krankenkassen an eine solche Auszeit beteiligen.

 

Die nächsten Auszeit-Termine im Lassalle-Haus

 

 

Zurück